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1. August Ansprache 2006 von Moritz Leuenberger - Bundespräsident

Meine Damen und Herren
 
Ich erinnere mich, wie wir als Kinder den 1. August feierten: Meine Mutter belegte Brötli und gestaltete mit Tomaten und Emmentalerkäse Schweizer Kreuze.
 
Ich weiss noch: Wir hatten damals ausländische Gäste, die sich entsetzten und fanden, es sei respektlos, ein Hoheitszeichen mit Tomaten und Käse darzustellen. Wir Kinder fanden umgekehrt unsere Gäste etwas steif und übten uns in immer neuen Schweizer Kreuzen, Johannisbeerwähen mit weissem Schlagrahm, später mit Produkten, die nicht mehr urschweizerisch waren, Randen mit italienischem Parmesan und schliesslich mit Wassermelonen und Fetakäse, alles unverkrampfte und fröhliche Darstellungen unseres Schweizerkreuzes, aber appetitliche.
 
Kürzlich während der Fussballweltmeisterschaft haben wir einen ähnlich unverkrampften Umgang mit dem Schweizerkreuz erlebt: Es ist aufs Gesicht gemalt worden und auf den Bauch gepinselt, es wurde um den Kopf gewickelt und ans Auto gehängt.
 
Und wie bei den 1.-August-Brötli war auch bei diesem fröhlichen Patriotismus längst nicht alles immer nur urschweizerisch. Am feurigsten jubelten Secondos und Terzos unserer Nationalmannschaft zu, und auf dem Rasen kämpfte eine Nationalmannschaft mit Wurzeln aus aller Welt und machte die ganze Schweiz glücklich.
 
Darum geht es ja eigentlich, dass die Menschen glücklich sein können. Jeder Staat versucht das.
 
Wir sind ein Rechtsstaat, wir garantieren soziale Sicherheit, wir kennen eine breite Grundversorgung, wir sind ein politisch stabiles Land und wir leben mitten in der EU, welche Frieden zwischen einstigen Feinden geschaffen hat.
 
Die wichtigste Kraft aber, die uns zufrieden und glücklich machen kann, ist nicht der Staat. Das sind wir selber. Davon geht auch unsere Bundesverfassung aus:
 
“Jede Person nimmt Verantwortung für sich selber wahr und trägt nach Kräften zur Bewältigung der Aufgaben in Staat und Gesellschaft bei.“
 
Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen, ist etwas, was viele Leute zufrieden und glücklich macht. Die Freiwilligenarbeit in unserem Lande ist enorm. Für andere da sein zu dürfen, sei es im sozialen Bereich, in der Katastrophenhilfe, in der Gemeindearbeit, in der Kultur, in einem Musikverein zum Beispiel, sich in der direkten Demokratie politisch einzubringen, mitzumachen, kann uns innerlich erfüllen und uns auch glücklich machen.
 
Ich weiss, dass viele krank sind, einen Menschen verloren haben, im Moment eine Arbeit suchen oder jetzt zu uns fliehen mussten. Es ist unsere Aufgabe, ihnen zu helfen, politisch, aber auch von Mensch zu Mensch. Gerade weil wir das tun, ist die Schweiz ein Land, in dem alle die Chance haben, ihr Glück zu finden.
 
Aber wir sind keine Insel. Was es bedeutet, Nachbarn ausgesetzt zu sein, die keinen Frieden wollen, sondern Vernichtung und Zerstörung suchen, erleben Menschen im Libanon und in Israel. Ihr Schicksal ist uns allen nicht gleichgültig und wir setzen uns für die Betroffenen ein und auch dafür, dass die Gewalt ein Ende hat. Was wir in unserem Land anstreben, möchten wir ebenfalls für die ganze Welt. Unser Glück hat nur Bestand, wenn wir es auch andern ermöglichen.
 
Wenn wir uns am Schicksal aller Menschen beteiligen, die von Krieg, Hunger und Armut geprägt werden, wenn wir alle unser Land und die Welt mitgestalten, dann können wir zufrieden, vielleicht sogar glücklich sein.
 
Ich wünsche Ihnen ein frohes Fest.
 
Quelle: www.admin.ch
   
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