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Sankt Fridolin

Einst fuhr ein Königssohn namens Fridolin aus dem grünen Irland über das Meer, bis er nach Frankreich kam. Von dort aus ging er weiter und predigte überall den Heiden das Christentum, bis er nach Säckingen am Oberrhein gelangte.

Dort lebten auch zwei reiche Brüder, Urfo und Landolph. Diese waren aber sehr ungleiche Brüder: der eine war wohltätig und der andere geizig. Da schenkte Urfo, der wohltätige, dem heiligen Fridolin ein grosses Gut, das er in Glarus besass, wohin nun der Heilige zog.

Als er dort ankam, beschaute er mit grosser Verwunderung das Dorf Glarus, das unter einem schrecklichen Berge lag, dessen Schatten darüber hing. Weil die Glarner aber noch Heiden waren, fing er an, sie zum Christentum zu bekehren, was nicht so leicht ging, denn die Leute von Glarus glaubten an eine Göttin, die sie Frau Vrene nannten und die hoch oben auf einem ganz von Felsen abgeschlossenen Gletscher wohnen sollte. Den Gletscher aber nannten sie Vrenelisgärtlein.

Aber nach und nach bekehrte er sie doch und liess sich unter ihnen nieder, ihnen von seinem geschenkten Gute grosse Wohltaten erweisend.

Als nun Urfo, der wohltätige Bruder, in Säckingen starb, ritt sein geiziger Bruder Landolph zum Gaugrafen Baldebert und klagte den heiligen Fridolin an, er habe sein grosses Gut im Glarnerlande widerrechtlich an sich gebracht, denn es sei eine Lüge, dass ihm's sein Bruder Urfo jemals geschenkt habe.

Der Graf Baldebert schickte sogleich nach Glarus zum heiligen Fridolin, er solle die Schenkung des Gutes durch Zeugen beweisen, ansonsten es an Landolph, den Bruder des Verstorbenen, falle.

"Ich will die Zeugen bringen", sagte der Heilige zu dem Boten. Alsobald reiste er mit ihm an den Rhein nach Säckingen. Dort lud er das ganze Volk und den Grafen Baldebert ans Grab des verstorbenen Urfo.

Wie nun alle beisammen waren, erhob sich der Heilige und rief mit lauter Stimme: "Urfo, Urfo, im Namen Gottes, der über Tote und Lebendige herrscht, stehe auf und zeuge für mich!"

Da bewegte sich die Erde; das Grab tat sich auf, und der tote Urfo stieg heraus. Stillschweigend winkte er und ging der erschrockenen Menge voran zum Gericht, an dem eben die fünfzehn Gaugrafen tagten.

Dort trat er vor seinen todbleichen Bruder Landolph hin und redete ihn mit tiefer Grabesstimme an: "Landolph, Landolph! Was störst du meine Ruhe im Grabe und beraubst mich also des Lohnes, den Gott mir für meine Schenkung gegeben hat?"

Voll Entsetzen fiel Landolph in die Knie und bat ihn um Verzeihung und fügte auch noch sein Gut, das er im Glarnerlande besass, zu Urfos Schenkung hinzu. Darauf kehrte Urfo wieder ruhig zu seinem Grabe zurück und legte sich hinein, und sofort schloss es sich für immer bis zum Jüngsten Tage.

Die Glarner aber nahmen den heiligen Fridolin in ihr Landeswappen auf, das nachher in Hunderten von siegreichen Schlachten über ihren Reihen wehte.

Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Bettina Stelzhammer, Jänner 2005. Überarbeitet von schweizinfo.ch, Juli 2014

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