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Guntenschlucht

Nahe beim Wasser, genau genommen bei einer Strassenbrücke, die über eine kleine, an jener Stelle rund dreissig Meter tiefe Schlucht – auf Berndeutsch einen Graben – führt, trug sich wiederholt eine unheimliche Begebenheit zu, die verschiedene Menschen bis heute unvergesslich bleibt.

Ganz klar erinnert sich Karl Rentsch: „Das kann mir niemand ausreden“, sagt der Berner Oberländer, „das habe ich gesehen, so wahr ich hier stehe. Als wäre es erst gestern geschehen.“ Dabei ist es rund fünfzig Jahre her.

Mitternacht. Mit seinem um einige Jahre älteren Freund ist der junge Karl unterwegs von Sigriswil über dem Thunersee nach Schwanden hinauf. Im Restaurant Rothorn ist zu später Stunde noch Tanz. Die Nacht ist hell. Silbrig-blau schieben sich einige Schäfchenwolken von den Mond. Doch durch das letzte Oktoberlaub der Buchen dringt genügend Licht. Das kurvenreiche Kiessträsschen, das von Sigriswil in den Wald hinein führt, ist gut erkennbar.

Sein schwarzes Militärvelo schiebt Karl rechts neben sich her, zwischen ihm und seinem Freund Werner Zeller. Bald ist die Tschingelbrücke, die den tiefen, Schlucht artigen Graben des Guntenbachs überspannt erreicht. Die beiden unterhalten sich angeregt und nicht leise, als Karl unvermittelt verstummt. Hinter der Brückenmauer war plötzlich ein Hund aufgetaucht. Nach der Brücke schlägt das Tier nach rechts ein und trottet den Männern direkt entgegen. „Es war schwarz und gross wie ein Bernhardiner, ein Riesenviech“, erzählt Karl Rentsch.

Verwundert, aber ohne Angst zu empfinden, drückt Karl sein Fahrrad etwas nach rechts gegen seinen Freund, um dem Tier links Platz zu machen. Unbeirrt geht es an den beiden Männern vorüber, langsam, ohne Geräusch. Karl denkt sich nichts dabei. Erst ein gutes Stück weiter fragt er seinen Freund, wem das grosse, streunende Tier wohl gehören möge. Werner Zeller hält inne und wendet sich Karl zu: Ein Hund bei der Tschingelbrücke? Er hat nichts gesehen. Ganz sicher nicht.

„Diesen Mordshund kann man einfach nicht übersehen haben“, entgegnet Karl. Doch der junge Waffenmechaniker acht sich keine weiteren Gedanken – bis er drei Monate später it dem Postautochauffeur Peter Sieber darauf zu sprechen kommt. Auch dieser ist oft zu Fuss unterwegs zwischen Schwanden und Sigriswil. Er habe diesen Hund mehr als einmal gesehen, berichtet der Chauffeur dem verdutzten Karl Rentsch. Zwar begegne er dem Tier nicht jedes Mal, wenn er nächstens durch den „Graben“ komme.

„Das ist kein normaler Hunden, sondern etwas Übernatürliches“, war für Peter Sieber, den Karl Rentsch als „robusten, keineswegs abergläubischen Menschen“ charakterisiert, klar.

Auch andere Leute hatten dem Chauffeur wiederholt berichtet, wie der Geisterhund bei der Tschingelbrücke lautlos an ihnen vorübergetrottet sei.

Das rätselhafte nächtliche Erlebnis hat Karl Rentsch zwar nie schlaflose Nächte bereitet, aber es ist ihm in lebhafter Erinnerung geblieben.

Quelle: Aufbereitet von Hanspeter Roth und Niklaus Maurer im Buch „Orte des Grauens in der Schweiz“. ISBN 978-03800-253-6

 

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