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Tagsatzung 1531

Der Zweite Kappelerkrieg war 1531 die Fortsetzung des Ersten Kappelerkriegs, der 1529 ohne Kampfhandlungen mit dem Ersten Kappeler Landfrieden beendet wurde.

Im Okt. 1531 entschlossen sich die fünf inneren Orte, in welchen sich die Lebensmittelblockade immer stärker bemerkbar machte, zum Angriff und damit zur Eröffnung des 2. Kappelerkriegs. Ihre Hauptmacht marschierte an der Zuger Grenze bei Kappel auf.

Die Zürcher Mobilmachung erfolgte viel zu spät. Am Mittag des 11.10.1531 stand den etwa 7'000 Mann der fünf Orte nur ein Zürcher Fähnlein mit etwa 2'000 Mann gegenüber.

Die Hauptmacht der Zürcher, d.h. das Banner, traf nur teilweise im Verlauf des Nachmittags in einzelnen, vom Marsch erschöpften Gruppen ein. Der um 16 Uhr ausgelöste Angriff der fünf Orte führte nach kurzem Widerstand zur Flucht des in Panik geratenen Zürcher Heeres.

Unter den etwa 500 gefallenen Zürchern befand sich auch Zwingli, der das Banner als Feldprediger begleitet hatte; er wurde tot aufgefunden und als Ketzer verbrannt. Die bereits im 16. Jh. entwickelte und von Historikern des 19. Jahrhunderts ausgebaute These, es sei auf Zürcher Seite Verrat im Spiel gewesen, ist kaum haltbar.

Die Schlacht bei Kappel brachte nicht das Ende des Krieges. Bern und weitere reformierte Orte kamen Zürich zu Hilfe. Zwischen dem 15. und 21.10.1531 zog ein zahlenmässig den Gegnern weit überlegenes reformiertes Heer durch das Reusstal aufwärts bis vor Baar, während sich die Truppen der fünf Orte an den Hang des Zugerbergs zurückzogen.

Die zürcher.-bernische Führung versuchte nun, durch ein Umgehungsmanöver mit etwa 5'000 Mann über Sihlbrugg und Menzingen den Zugerberg zu erreichen und den Gegner so einzukreisen. Der Zug zog sich jedoch wegen Plünderungen und Disziplinlosigkeit in die Länge; das Expeditionskorps erreichte bis zur Nacht vom 23. auf den 24.10.1531 nur den Gubel bei Menzingen, wo es während des Nachtlagers von einer kleinen Truppe der fünf Orte überfallen und in die Flucht geschlagen wurde. Dabei kamen etwa 600 Mann um.

Die erneute Niederlage führte bei der zürcher.-bernischen Hauptmacht zunehmend zu Auflösungserscheinungen und Desertionen. Sie zog sich am 3.11.1531 reussabwärts nach Bremgarten zurück. Damit waren die zürcher. Gebiete im Knonauer Amt und am linken Ufer des Zürichsees ungeschützt.

Die fünf Orte nützten dies vom 6. bis 8.11.1531 zu einem Raubzug aus. Die militär. Hilflosigkeit Zürichs bewirkte, dass Exponenten der Zürcher Landschaft nun auf einen raschen Friedensschluss drängten. Auch in der Stadt selbst setzten sich die Friedensfreunde durch.

Bereits von Anfang November an hatten sich Vertreter der neutral gebliebenen Orte (Solothurn, Freiburg, Glarus, Appenzell) sowie die französischen Gesandten um einen Friedensschluss bemüht. Den militär. Umständen entsprechend fiel der am 20.11.1531 im Weiler Deinikon bei Baar abgeschlossene 2. Kappeler Landfriede für die reformierte Seite ungünstig aus.

Er erlaubte in einer Vorwegnahme des Cuius-regio-eius-religio-Prinzips des Augsburger Religionsfriedens von 1555 jedem einzelnen Ort, die Konfession seiner Bürger und Untertanen selbst zu bestimmen, begünstigte jedoch in den gemeinen Herrschaften den Katholizismus. Mit der Wiederherstellung der Fürstabtei St. Gallen wurde den Zürcher Expansionsbestrebungen in die Ostschweiz ein Ende bereitet.

Das Christl. Burgrecht musste aufgelöst werden. Bern und die übrigen ref. Orte hatten sich dem Friedensvertrag anzuschliessen. Der Ausgang des 2. Kappelerkriegs prägte die konfessionelle Landkarte der Eidgenossenschaft - mit Ausnahme der Westschweiz.

Der polit. Graben zwischen den beiden konfessionellen Lagern führte bis ins 18. Jh. immer wieder zu Streitigkeiten (Konfessionalismus). Er erschwerte ein gemeinsames aussenpolit. Agieren aller Orte und eine innere Weiterentwicklung der Eidgenossenschaft.

Quelle: Text: Historisches Lexikon der Schweiz, http://www.hls-dhs-dss.ch - Autor: Helmut Meyer / Bild: Tagsatzung im Badener Rathaus im Jahr 1531, wikipedia.ch

 

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