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Unspunnenstein

Das Steinstossen ist wohl das älteste Kräftespiel unserer Hirten und Sennen, denn für diese Disziplin benötigt man nur den gewichtigen Stein. Man brauchte keinen Partner dazu, sondern nur einen der von den Gletschern aus den Alpen heruntertransportierten Steine.

Das Stossen des Steines als Kraftübung kann denn auch mindestens so lange urkundlich nachgewiesen werden, wie die Ausübung des Zweikampfes in den Schwinghosen.

Wenn wir die Schweizergeschichte verfolgen, so sehen wir, dass die alten Eidgenossen den Stein nicht nur als Spiel, sondern auch als Waffe benutzten. Morgarten 1315, Laupen 1339, Näfels, 1388, Stoss 1405 und Gionornico 1478 sind eindeuti-ge Beweise dafür. Bekannt ist auch der todbringende Steinwurf des tödlich verletzten Schweizers Arnold Schick in der Schlacht bei St. Jakob an der Birs.

Als Urheimat des Steinstossens dürfen besonders Schwyz und das Appenzellerland angesprochen werden.

Aber auch auf dem Peterplatz in Basel wurde schon im 13. Jahrhundert der Stein gestossen. Im Jahre 1315 sahen sich die damaligen Behörden von Luzern genötigt, das Steinstossen im Kirchhof zur Kapelle zu verbieten. Selbst auf dem gefrorenen Zürichsee wurde im Jahre 1485 eine Konkurrenz im Steinstossen durchgeführt, was übrigens im grimmig kalten Winter 1571 auch auf dem Eis des Bodensees praktiziert worden sein soll.

An den Eidgenössischen Schützenfesten der Jahre 1456, 1471 und auch 1504, verband man mit dem Schiessen die offenen Spiele, worin auch das Steinstossen inbegriffen war. Die Wettkämpfer stiessen einen 15-pfündigen, einen 30-pfündigen und einen 50-pfündigen Stein je dreimal.

Bekannt war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der sogenannte 225pfündige Linden- stein zu Escholzmatt. Dieser unhandliche „Entlebucher“ war schwierig anzupacken und zu stossen. Jedesmal nach dem Gottesdienst übten sich die Aelpler und Sennen, aber auch die Dörfler im Heben und Stossen dieses Kolosses unter der Linde. Er wurde sogar aus der Wirtsstube des Löwen zum Fenster hinausgestossen.

Wohl der berühmteste Stein dieser Art ist der 167pfundige Unspunnenstein, der am ersten Alphirtenfest bei der Burgruine Unspunnen 1805 von Appenzeller Josef Dörig 10 Fuss weit gestossen worden sein soll. Ein volles Jahrhundert blieb der Stein verschollen, bis er dann 1905 zwischen Wilderswil und Interlaken wieder aufgefunden wurde. Seither wird der Unspunnenstein vom Turnverein Interlaken an klassischer Stätte treu gehütet und den jeweiligen Organisatoren des Eidg. Eidgenössischen Schwingfestes, sowie dem Alphirtenfest zu Unspunnen zur Verfügung gestellt.

Seit dem Jahre 1853 hat der Eidg. Nationalturnverband Steinheben und Steinstossen mit dem 25 Kilo bezw. 20 Kilo Stein als Wettkampf in das Programm des Nationalturnens aufgenommen. Am Eidg. Schwing- und Aelplerfest wird jeweils der Unspunnenstein, sowie der 40 Kilo Stein gestossen.

Bis zum Jahre 1937 wurde zusätzlich noch ein Wettkampf mit dem 20 Kilo Stein aus Stand und Anlauf ausgetragen, doch ist diese Disziplin seither aus dem Programm gestrichen worden. Am Eidg. Schwing- und Aelplerfest in Luzern wurde der 20 Kilo Stein den Wettkämpfern wieder mit grossem Erfolg angeboten.

Dieser Stein wird mit Anlauf gestossen. Der Unspunnenstein kann mit Anlauf oder vom Stand (eigenhändiges Stossen, Schulterlage oder Hochhalte über dem Kopf) der 40 Kilo Stein von Stand gestossen werden. Jeder Wettkämpfer kann 2 Stösse ausführen, wobei das Resultat des besseren Stosses die Rangordnung bestimmt.

Mögen beim Stossen mit dem 20 Kilo Stein Körpergrösse und systematische Uebung viel zum Erfolg beitragen, so ist zum Stossen der schweren Steine noch urwüchsige Kraft Voraussetzung. So sind denn auch in der Regel die Sieger des Stosses mit dem Unspunnenstein vollendete Kraftnaturen. Sowohl beim Stossen mit dem 40 Kilo stein, wie mit dem Unspunnenstein, waren die Schwyzer seit jeher Meister, was in den nachfolgenden Ranglisten eindeutig zum Ausdruck kommt.

Die Weite von 4.05 m die am Eidg. Schwing- und Aelplerfest 1908 in Neuenburg von Xaver Betschart aus Ingenbohl mit dem 40 Kilo Stein erzielt wurde, ist seither nie mehr offiziell erreicht worden.

Ebenfalls hat Melk Ulrich, Schwyz am Eidg. Schwing. Schwing- und Aelplerfest 1948 in Luzern mit dem Unspunnenstein mit 2.85 m bisherige Bestleistung erreicht. Im Festregulativ des ESV sind die Wettkampfbestimmungen für das Stossen des Unspunnen-, sowie des 20 und 40-Kilo-Steines am Eidg. Schwing- und Aelplerfest umschrieben und festgelegt.

Es ist nicht Rekordsucht, sondern das Bewusstsein, Träger eines altüberlieferten Spiels und Freund gesunder Volkskraft zu sein, das die starken Männer immer wieder zu Kampf und Spiel führt. Möge dieses urwüchsige Spiel als Ergänzung zum Schwingen uns auch weiterhin erhalten bleiben.

weitere Informationen

Quelle: Aus J.B. Masüger: Schweizerbuch der Bewegungsspiele / Bild: Martin Sebastian, CH-Dübendorf

 

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