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Nahrungsmittelknappheit

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges brachte blühende Erwerbszweige wie den Tourismus und den Handel mit Russland zum Erliegen. Dennoch gelang es der Schweizer Wirtschaft aus ihren Trümpfen Kapital zu schlagen, obwohl sie von Importen (Rohstoffe und Getreide) abhängig war, ihr Gedeihen dem Export verdankte und sie nicht auf einen langen Konflikt vorbereitet war. Von Deutschland, das schweizer Produkte benötigte, erhielt die Schweiz weiterhin Kohle und andere Rohstoffe.

Indem die Schweizer Wirtschaftsführer ihre Transaktionen geheim hielten und geschickt die Rivalitäten zwischen der Entente und den Mittelmächten ausnutzten, ergriffen sie von den ersten Kriegsmonaten an die Möglichkeiten, die sich auf den Aussenmärkten eröffneten. Die Produktion von Munition, Aluminium, Kupfer, Zement und anderen Gütern, die von den Krieg führenden Mächte nachgefragt wurden, erfuhr einen beachtlichen Aufschwung.

Bei den Importen ging der Anteil aus Europa zurück, während die Einfuhren aus den Vereinigten Staaten (Kohle, Baumwolle, Getreide, Zucker) zunahmen. Im Verlaufe des Konflikts gingen die Berufsverbände, vor allem der Vorort, der Schweizer Bauernverband und die Bankenorganisationen, eine enge Zusammenarbeit mit den politischen Behörden ein, die ihnen gewisse öffentliche Aufgaben übertrugen. So übte der Präsident des Vororts, Alfred Frey, im 1. Viertel des Jahrhunderts einen wesentlichen Einfluss aus. Industrielle wie Ernst Schmidheiny in Berlin und Hans Sulzer in Washington hatten hohe diplomatische Funktionen inne. Einige, die man als "Kriegsgewinnler" bezeichnete, häuften beachtliche Vermögen an.

Trotz seiner Vollmachten liess der Bundesrat eine gewisse Zeit verstreichen, bis er in die Wirtschaft eingriff und die Organisation der Kriegswirtschaft, die rudimentär blieb, an die Hand nahm. Der Kampf gegen Spekulation und Hamsterei, zahlreiche Hilfsaktionen sowie die Rationierung der Lebensmittel (Wirtschaftliche Landesversorgung) genügten jedoch nicht, um eine soziale Krise zu verhindern, die mit der Preissteigerung (Anstieg des Detailpreisindexes von 100 im Jahr 1914 auf 230 im Jahr 1918) und der Inflation zusammenhing (Verdoppelung der Preise zwischen 1914 und 1918).

Der Erste Weltkrieg zog Umwälzungen grossen Ausmasses nach sich. Wirtschaftszweige wie die Textilindustrie erreichten nicht mehr den Stand, den sie vor 1914 hatten. Andere dagegen, die Metall verarbeitende, die pharmazeutische, die chemische und die Maschinenindustrie, aber auch die Banken und die Versicherungen wurden zu treibenden Sektoren der Wirtschaft.

Die Uhrenindustrie behielt ihren Platz. Da sie fast die gesamte Produktion exportierte, passte sie sich der Nachfrage aus dem Ausland an (z.B. Schaltuhren). Der Finanzplatz ging gestärkt aus dem Ersten Weltkrieges hervor: Die schweizer Geldinstitute, die vor 1914 von den ausländischen Partnern abhängig waren, gewannen an Solidität und erzielten Margen, die es ihnen erlaubten, gegenüber ihren Konkurrenten unabhängig zu werden und im Rahmen der Reorganisation der Weltwirtschaft Teile des Marktes an sich zu ziehen.

Während es der Regierung gelang, die politische und territoriale Neutralität aufrechtzuerhalten, war ihr dies in der Wirtschaftspolitik nicht möglich, da der schweizer Aussenhandel ab 1915 von den Krieg führenden Staaten streng kontrolliert wurde. Diese Situation veranlasste den Historiker Roland Ruffieux, von "wirtschaftlicher Versklavung" zu sprechen.

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz, www.hls.ch / Aufbereitet von schweizinfo.ch / Bildquelle: www.geschichtedersozialensicherheit.ch / Die Schweiz war 1914 nicht auf einen längeren Krieg eingestellt. Mangelnde Vorsorge, Nahrungsmittelknappheit und steigende Preise verschärfen das soziale Umfeld

 
 

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