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Wiener Kongress

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 und dem Beginn des Durchmarschs der Alliierten durch die Schweiz im Dezember 1813 erhielten die restaurativen Kräfte in verschiedenen Kantonen Auftrieb. 

Am 23.12.1813 übernahm in Bern das Patriziat wieder die Regierung und forderte die Kantone Waadt und Aargau zur Rückkehr unter die bernische Herrschaft auf. 

Anfang 1814 ergriff das Patriziat auch in Solothurn, Freiburg und Luzern wieder die Macht und Graubünden drohte, sich von der Schweiz zu trennen. Die Landsgemeindekantone stellten die alten Rechtsungleichheiten und die Zunftstädte die Vorherrschaft über die Landschaft wieder her. 

Auch die Verfassungen der neuen Kantone erhielten einen restaurativen Anstrich, etwa mit einem strengen Zensus und dem Übergewicht der Exekutive. Die vorrevolutionären Zustände wurden aber nicht mehr vollständig hergestellt.

Gleichzeitig mit den innerkantonalen Umwälzungen entbrannte der Streit um einen neuen Bundesvertrag. Dabei stand einer gemässigten Partei, welche die Mediationsverfassung reformieren wollte und eine Bundeslösung anstrebte, eine restaurative Partei gegenüber, die v.a. die Machtverhältnisse der vorhelvetetischen Ordnung wieder einführen wollte.

Am 29.12.1813 setzten zehn alte Orte die Mediationsakte ausser Kraft und forderten eine neue Verfassung ohne Untertanengebiete. Eine Sondertagsatzung der restaurativen Kantone sprach sich am 17.3.1814 für die Rückkehr zur dreizehnörtigen Eidgenossenschaft und zu den Untertanenverhältnissen aus. 

Die alliierten Mächte beharrten auf dem Bund der 19 Orte, drohten mit einer Intervention und forderten die Auflösung der Sondertagsatzung, die am 25.3.1814 endete. 

Von April bis August tagte in Zürich mit Unterbrechungen die sogenannte Lange Tagsatzung, in welche die Gesandten der Grossmächte lenkend eingriffen.

Am 9.9.1814 verabschiedete die Tagsatzung den Bundesvertrag und am 12.9.1814 wurden Neuenburg, Genf und das Wallis als neue Kantone aufgenommen. 

Der Vertrag regelte die interkantonalen Entschädigungsforderungen und Grenzstreitigkeiten nicht. Die Tagsatzung als Zentralgewalt war schwächer als in der Mediation und wurde im Zweijahresturnus durch die Vororte Zürich, Bern und Luzern eher administrativ als exekutiv präsidiert. 

Die Kantone erhielten eine beinahe vollständige Selbstständigkeit, was eine gemeinsame Aussen- und Wirtschaftspolitik stark erschwerte. Der Bundesvertrag enthielt eine Garantie der Klöster und Kapitel, aber kein schweizer Bürgerrecht und keine Verankerung der Niederlassungs-, Gewerbe- und Glaubensfreiheit. 

Dagegen versuchte er, die Schwächen der Militärorganisation zu beheben. Mit dem Militärreglement von 1817 wurde ein Bundesheer aus kantonalen Kontingenten unter Leitung eines eidgenössischen Kriegsrats geschaffen und 1819 in Thun eine Militärschule für Kader gegründet.

Der Wiener Kongress regelte am 20.3.1815 die Abfindungen und die Landesgrenzen und anerkannte die 22 Kantone. Im 2. Pariser Frieden vom 20.11.1815 wurde die immerwährende Neutralität als im Interesse aller europäischen Staaten - v.a. der Grossmächte, die eine neutrale Zone begrüssten - festgeschrieben. 

1817 trat die Schweiz der konservativen Heiligen Allianz bei.

Da die Kantone im Vergleich zu den Grossmächten gegen innen ein schwaches Repressionspotenzial aufwiesen, suchten viele politisch Verfolgte in der Schweiz Zuflucht. 

1823 wurde nach Drohungen der konservativen Mächte das Presse- und Fremdenkonklusum verabschiedet, das eine Kontrolle der Auslandsberichterstattung und eine stärkere Aufsicht über Exilanten ermöglichte, 1829 aber wieder aufgehoben wurde. 

Die in Opposition zur restaurativen Ordnung stehenden liberalen und nationalen Ideen in Europa erhielten nicht zuletzt unter dem Einfluss der Exilanten auch in der Schweiz eine wachsende Bedeutung. 

In der Schweiz wurde die liberale Bewegung sowohl von der ländlichen Oberschicht als auch vom aufstrebenden Wirtschafts- und Bildungsbürgertum getragen, das sowohl den Freiheitsideen der Helvetik als auch den wirtschaftlichen Strukturanpassungen zum Durchbruch verhelfen wollte. 

Eine wichtige Rolle spielte das Vereinswesen, das eine politisch bedeutsame Öffentlichkeit konstituierte. Trotz des verfassungsmässigen Partikularismus wurden zahlreiche eidgenössischen Gesellschaften und Vereine gegründet, welche die Bildung des Nationalbewusstseins förderten. 

Unter dem Eindruck der französischen Julirevolution führten 1830-31 in verschiedene Kantonen Petitionen und Volkstage zu liberalen Verfassungsänderungen und zur Entmachtung der alten Eliten, was das Ende der Restauration und den Beginn der Regeneration bedeutete. 

Gleichzeitig setzten Bestrebungen zur Revision des Bundesvertrags ein.

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz, www.hls.ch / Autor: Christian Koller. Bild: Wiener Kongress, 1814 - Stich nach Jean-Baptise Jsabey, Künster Unbekannt

 

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