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Anbauschlacht vor dem Bundeshaus

Als Anbauschlacht wird die planmässige Förderung des agrarischen Mehranbaus und der Ertragssteigerung zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung bzw. zur Umstellung auf Selbstversorgung während des 2. Weltkriegs bezeichnet.

 Konkret werden dabei Parkanlagen in der Stadt zu Kartoffelfeldern umfunktioniert. Die Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg sind teilweise leicht verstaubt doch ihre Wirkung hingegen ist nicht verblasst. Dies hat sich in einer Debatte im Nationalrat im Jahre 2012 gezeigt.

Mehrmals fiel der Name Wahlen. Gemeint war Friedrich Traugott Wahlen, Vater der Anbauschlacht und späterere Bundesrat. Aus Furcht vor einer Lebensmittelknappheit wurde zwischen 1939 und 1945 die Anbaufläche hierzulande verdoppelt. So musste die Schweiz als einziges Land in Europa Kartoffeln, Gemüse und Obst nie rationieren.

Die Anbauschlacht wurde zum Symbol für die Widerstandskraft der Schweiz. Der Selbstversorgungsgrad stieg damals auf 70 Prozent, ein Rekordwert. Heute beträgt er knapp 60 Prozent – ein im internationalen Vergleich niedriger Wert. Der Tiefstand, 52 Prozent, stammt aus den 1930er-Jahren.

In solche Zeiten soll die Schweiz nicht mehr zurückfallen. Mit 117 zu 67 Stimmen hat damals der Nationalrat beschlossen, den Begriff «Ernährungssouveränität» im Landwirtschaftsgesetz zu verankern. Dies mit dem wichtigen Zusatz, dass die «Bedürfnisse der Konsumenten» nach «inländischen Produkten» zu berücksichtigen seien.

Der Nutzen der Anbauschlacht ging indes weit über die Sicherung der Ernährung hinaus. Mit ihrer Unterordnung aller unter ein gemeinsames Ziel förderte sie die gesellschaftliche Integration nachhaltig. Obwohl die Opfersymmetrie auch während des 2. Weltkriegs keineswegs spielte und die Lohnabhängigen grosse Einschränkungen in Kauf nehmen mussten, wurde die Anbauschlacht doch zum Symbol für die Volksgemeinschaft, den Widerstandswillen und die Selbstbehauptung der Schweiz -- nicht zuletzt wegen einer gut organisierten Propaganda, besonders von Seiten des Gotthardbundes.

Diese deutete den Kampf gegen Hunger und für Selbstversorgung nie als Selbstzweck, sondern setzte ihn immer mit dem Kampf für Vaterland und Unabhängigkeit gleich und stellte damit das Anbauwerk auf die gleiche Stufe wie die militärische Landesverteidigung.

Dies führte nach 1940 zu permanenten Konflikten zwischen selbstversorgender Landwirtschaft, exportorientierter Industrie und militärischer Dienstpflicht um Arbeitskräfte.

Wie weit sich die Schweiz selber versorgen kann, hat die Bevölkerung bis zu einem gewissen Grad selber in der Hand. «Wenn die Schweizer weniger essen würden, stiege der Selbstversorgungsgrad automatisch an», sagte Fachmann Jung. Wie viel weniger nötig wäre, um ihn auf 100 Prozent zu steigern – dazu will er keine Schätzung vornehmen.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Uno geht davon aus, dass ein Mensch im Durchschnitt 2200 Kalorien pro Tag benötigt. Heute verbraucht der Schweizer im Mittel 3400. Während der Anbauschlacht waren es weniger als 2800.

Quelle: Tagesanzeiger/Newsnet 2012, Historisches Lexikon der Schweiz. Bildquelle: Anbauschlacht vor dem Bundeshaus während des Zweiten Weltkriegs. Bild: Keystone

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