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Locher, Schweizer Spuk und Psychokinese

Der folgende Spukfall spielte sich im Frühling 1971 in einer kleinen Ortschaft des Kantons Freiburg ab. Aus Rücksicht auf die vom Spuk und seinen Begleiterscheinungen schon genug geplagten Personen verwenden wir im Folgenden erfundene Namen.

Familie Fehr wohnte mit ihren sieben Kindern bis im April 1971 von allen geachtet, aber unauffällig in einem schönen Chalet im Dorf. Alles fing ganz harmlos an. Am 23. April entdeckte die elfjährige Marie-Josée beim Wasserlösen rote Flecken im Klosett. Erschrocken rannte das Kind zu seiner Mutter mit der Frage, ob das Zeichen einer Krankheit seien. Die Mutter jedoch erkannte die Flecken sofort als Merkurochrom, ein damals sehr oft verwendetes Desinfektionsmittel. „Hast du das aus der Hausapotheke genommen?“, wollte die Mutter wissen.

Marie-Josée verneinte, und da zwischen den beiden ein gutes Vertrauensverhältnis bestand, war die Sache damit abgetan. Am Sonntag, den 25. April, waren die Eltern zu Besuch in einem Nachbardorf. Die Jungmannschaft blieb zuhause; auch der älteste Sohn, Jean-Marie, war auf RS-Urlaub bei seiner Familie.

Gegen 17 Uhr tauchte zum ersten Mal Wasser auf, im Hausgang, in der Küche und im WC. Die Kinder  waren zwar verärgert, dachten aber nicht an etwas Ungewöhnliches, und die Mädchen wischten das Wasser auf. Als ungefähr um 19 Uhr die Eltern nach Hause kamen, war wieder alles Nass. Der Vater vermutete einen Leitungsbruch der Heizung, stellte den entsprechenden Zufluss ab und entleerte den Radiator im Toilettenraum.

Trotzdem erschıen wieder Wasser, gegen Mitternacht sogar auf dem Fussboden des Elternzimmers. Inzwischen ging die Familie von einem bösartigen Streich aus, den ihnen irgendjemand spielte. Am Montagmorgen, kaum hatte sich der Vater an seıne Arbeıt ın der Sägerei begeben, fing das Ganze von vorne an.

Frau Fehr kam nicht nach mit Auftrocknen. Hatte sie das Wasser ım Korrıdor aufgewischt, war die Küche wieder nass und umgekehrt. Einen Korb mit Wäsche hatte sie vorsorglich auf einen etwa einen Meter hohen Schrank im Hausgang gestellt. Doch mit einem Mal war auch diese Wäsche nass. Am  Abend kehrte Herr Fehr mit einem Spenglermeister nach Hause zurück. Doch dieser konnte nach Überprüfung der Leitungen keinen Schaden an den Leitungen feststellen.

Am Dienstag schienen die unerklärlichen Ereignisse abzuklingen. Doch noch hatte man die Ursache des unheimlichen Geschehens nicht entdeckt; der Glaube an böse Kräfte begann daher Gestalt anzunehmen.

Am Mittwoch schliesslich überstürzten sich die Ereignisse: Im Hausgang stand das Wasser bis zur Höhe der Türschwelle. Im Kinderzimmer im Parterre waren die Betten der Kinder Marie-Josée, der zehnjährigen Claudine und des achtjährigen Pierre dermassen durchnässt, dass man die Betttücher auswinden konnte. Nachdem die Betten neu bezogen worden waren, fand sich am Nachmittag in ihnen erneut 30 bis 40 Grad warmes Wasser.

Auch eine Schublade, die in diesem Zimmer - niemand wusste warum - auf einem Küchenstuhl stand, war plötzlich etwa fünf Zentimeter hoch mit Wasser gefüllt. Dieses floss trotz eines Spalts im unebenen Boden nicht aus.

Auch von der Zımmerdecke tropfte Wasser.  In der Wohnstube im Erdgeschoss lag Wasser auf dem Buffet; Wasser tropfte auch vom Liegebett, vom Tisch und von der Stubendecke. Das weisse Tischtuch zeigte rote Merkurochromflecken. Eigenartigerweise war das Desinfektionsmittel nirgends zu finden, als man es suchte, um eine Verletzung Marie-Josée‘s zu behandeln.

Ebenso fand sich im Zimmer der älteren Brüder, das über dem Wohnzimmer liegt, warmes Wasser in den Betten. Im Elternzimmer waren die Matratzen nass, obwohl man sie vorher mit Plastik überzogen hatte, und auf dem Fussboden wurden Merkurochromflecken festgestellt.

Am Donnerstag stand die vermisste Merkurochromflasche wieder in der Hausapotheke. In einem Korb aber fand man eine zweite Flasche mit abgerissener Etikette, die beinahe kein Desinfektionsmittel mehr enthielt, obwohl der Verschluss unberührt schien. Der Bruder von Frau Fehr, der Pfarrer in einer Nachbargemeinde war, wurde an diesem Tag Zeuge der Ereignisse: Als
die Betten neu bezogen werden sollten, fand Marie-Josée die Leintücher an der Wäscheleine auf dem Balkon alle von neuem nass.

Wie am Tag zuvor traten an verschiedenen Stellen wieder warmes Wasser und Merkurochromflecken auf Wasser, das der Ortspfarrer aus der erwähnten Schublade im Kinderzimmer in ein Trinkglas geleert hatte, war ohne feststellbares menschliches Zutun am selben Tag verschwunden.

Beim Falten von Taschentüchern schrie Marie-Josée plötzlich auf. Ihre Unterhose war nass; an den Hosen und an den Schenkeln zeigten sich die ominösen Merkurochromflecken, die eigenartigerweise an den Unterhosen fehlten. Aufs Äusserste beunruhigt trug die Mutter die nassen Kleider zum Ortspfarrer. Draussen auf der Strasse soll eine junge Autofahrerin Marie-Josée angesprochen und ihr angeraten habe, sie solle sich vor dem Desinfektionsmittel in Acht nehmen. Schreiend kam das Kind nach Hause gelaufen: Wieder waren seine Unterhosen nass.

Aufgeregt erzählte Marie-Josée vom Erlebnis mit der Autofahrerin. Ob sie schon nass von der Strasse zurückkam oder erst zuhause nass wurde, liess sich nicht mehr feststellen. Dass das Mädchen mehrmals ängstlich fragte: „warum immer ich?“ schien dafür zu sprechen, dass es selbst ein Opfer der Ereignisse war.

Gegen Abend liess der Ortspfarrer die Polizei kommen, die alle Aussagen der Betroffenen zu Protokoll nahm und das Haus vor Neugierigen abschirmte. Nachdem der Bruder der Mutter ihnen am Abend die Kommunion gebracht und Gebete verrichtet hatte, sei Marie-Josée wie von einem unerklärlichen seelischen Druck befreit gewesen. Auch die Schmerzen in der Brust, über die sie seit Tagen geklagt hatte, seien gänzlich verschwunden.

Am Freitag traten nur noch vereinzelte Wassererscheinungen auf. Bis auf einige Wasserlachen am 10. bis 12. Mai und einer Stimme, die Marie-Josée zu dieser Zeit vernahm, ereigneten sich keine unerklärlichen Dinge mehr.

Durch die Presse auf den Wasserspuk aufmerksam geworden, beauftragte die Schweizerische Vereinigung für Parapsychologie den Berner Pädagogen, Graphologen und Pendler Joseph Seiler, der Sache auf den Grund zu gehen. Dieser besuchte in der Folge mehrmals die betroffene Familie, nahm Einsicht in die Polizeiprotokolle und die Trinkwasseranalyse des Kantonschemikers, befragte viele zeugen, nahm eigene Test vor und sammelte alle erhältlichen Presseberichte. Die von ihm zusammengetragenen Fakten und Indizien, die im Buch „Schweizer Spuk und Psychokinese“ ausführlich dargelegt sind, räumen alle Zweifel an der Tatsache des Freiburger Wasserspuks aus.

Stellvertretend für verschiedene Zeugen sei der Spenglermeister erwähnt: „Er und ein anderer Arbeiter der Spenglerei bezeugten, sie hätten alles unternommen, um irgendeinen Fehler in den Rohrleitungen auf die Spur zu kommen. Einmal sei sogar Wasser in seiner Werkzeugkiste gewesen". „Wenn ich diesen Unsinn nicht mit eigenen Augen gesehen hätte“, meinte er, „würde ich nie daran glauben.

Quelle: Aus Theo Locher und Guido Lauper: Schweizer Spuk und Psychokinese. / Aufbereitet von Hanspeter Roth und Niklaus Maurer im Buch „Orte des Grauens in der Schweiz“. ISBN 978-03800-253-6

 

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