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Karl der Kühne mit etwa 30 Jahren

Verschiedene Ereignisstränge, die sich unerwartet verknüpften, führten dazu, dass die Eidgenossenschaft unvermittelt in die europäische Politik einbezogen wurde.

Der österreichische Herzog Sigismund von Habsburg suchte ab 1468 einen mächtigen Schutzherrn, um sich der Eidgenossen besser erwehren zu können.

Da der französische König Ludwig XI. ablehnte, wandte sich Sigismund an dessen Konkurrenten, den burgunder Herzog Karl den Kühnen. Dieser versprach Hilfe gegen die Eidgenossen und erhielt als Gegenleistung die vorderösterreichischen Besitzungen im Elsass als Pfand. Damit wurde das Herzogtum Burgund (Herzogtum) zum direkten Nachbarn der Eidgenossenschaft, mit der es bisher lose, aber freundschaftlich Verbindungen gepflegt hatte.

Die Wirtschaftspolitik des burgunder Landvogts Peter von Hagenbach, der in den verpfändeten Gebieten den Getreidehandel mit den oberrheinischen Reichsstädten verbot, forderte allerdings die umliegenden Mächte zu Gegenmassnahmen heraus. Basel und Strassburg suchten Hilfe bei Bern, das seinerseits mit dem von Hagenbach bedrängten Mülhausen verbündet war. Zugleich fürchtete Bern, dass der neue Nachbar Burgund die Handelsstrassen durch das schweiz. Mittelland zu den Genfer Messen sperren könnte.

Herzog Sigismund war indessen mit seinem neuen burgunder Schutzherrn nicht zufrieden, denn Karl der Kühne wollte weiterhin mit den Eidgenossen in Frieden leben und keinen Krieg gegen sie im Auftrag Österreichs führen. Am 30.3.1474 einigte sich Sigismund deshalb mit eidgenössischen Boten in Konstanz auf einen Vertragsentwurf, der die langjährigen Feindseligkeiten zwischen Habsburg und den Eidgenossen beendigen sollte. Der mit Burgund verfeindete Ludwig XI. wurde von beiden Seiten als Schiedsobmann bei der Klärung strittiger Fragen vorgesehen; dieser später als Ewige Richtung bezeichnete Vertrag wurde am 2.1.1475 ratifiziert.

Ebenfalls in Konstanz schlossen am 31.3.1474 die acht eidg. Orte sowie Solothurn mit den vier oberrheinischen Reichsstädten Strassburg, Basel, Colmar und Schlettstadt samt den Bischöfen von Strassburg und Basel ein zehnjähriges Bündnis. Schliesslich bildeten Sigismund und die erweiterten Reichsstädte samt ihren Bischöfen am 4.4.1474 in Konstanz die Niedere Vereinigung. Anschliessend löste Sigismund die an Burgund verpfändeten Gebiete mit Hilfe der elsässer Reichsstädte ein.

Praktisch gleichzeitig, aber ohne dass ein Zusammenhang mit den Konstanzer Gesprächen nachgewiesen werden kann, wurde Peter von Hagenbach nach einer Revolte seiner Söldner am 11.4.1474 in Breisach am Rhein gefangen gesetzt; die ihm feindlich gesinnten elsässer Reichsstädte setzten seine Hinrichtung am 9.5.1474 durch.

Der Bruder des Getöteten verwüstete aus Rache im Aug. 1474 das Oberelsass, wobei ihn burgundische und lombardische Söldner unterstützten. Die antiburgundische Liga - in den zeitgenössischen Quellen als magna liga Alamaniae oder als teütscher pund bezeichnet - antwortete mit einem Feldzug in die von Bern begehrte Freigrafschaft Burgund, der seinen Abschluss am 13.11.1474 mit einem Sieg über die Burgunder in der Schlacht von Héricourt fand.

Trotzdem wollte Herzog Karl, der von Aug. 1474 bis Juni 1475 das niederrheinische Städtchen Neuss belagerte, eigentlich weiterhin mit den Eidgenossen in Frieden leben.

Nachdem aber in Bern die Kriegspartei unter Niklaus von Diesbach die Oberhand über die Gemässigten unter Adrian I. von Bubenberg gewonnen und diesen aus den Räten verstossen hatte, liessen Bern und Freiburg, unterstützt von Luzern, im Frühling und im Herbst 1475 Kriegsbanden gegen das Waadtland ziehen, das zum grössten Teil dem mit Burgund verbündeten Savoyen gehörte. Die Freischaren eroberten in kurzer Zeit 16 Städte und 43 Burgen, deren Einwohner der neuen Herrschaft einen Untertaneneid schwören mussten. Die übrigen eidgenössischen Orte billigten dieses Vorgehen keineswegs und schlossen im Sommer 1475 sogar kurzfristig einen Sonderbund gegen Bern, das rücksichtslos nach Westen expandierte. Bis zum Ende der Burgunderkriege hielten sie daran fest, dass sie nicht als houptsecher (Hauptbeteiligte), sondern bloss aufgrund ihrer Hilfsverpflichtungen in den Krieg mit Burgund getreten seien.

Gleichzeitig mit dem Herbstfeldzug in die Waadt eroberten die Oberwalliser, gestützt auf ihr ewiges Burgrecht mit Bern (7.9.1475) und mit Hilfe von Knechten aus dem Saanenland, dem Simmental, Freiburg und Solothurn, das savoyische Unterwallis bis zum Engnis von Saint-Maurice, nachdem sie die savoyische Truppen am 13.11.1475 bei Conthey in der Schlacht auf der Planta besiegt hatten. Das Unterwallis stand fortan unter der Herrschaft des Bischofs von Sitten und der sieben Oberwalliser Zenden.

Als der burgunder Herzog seinerseits als Vergeltung für die Waadtzüge Anfang 1476 gegen Freiburg und Bern ins Feld zog, eilten im letzten Moment die eidgenössischen und elsässer Verbündeten zu Hilfe.

Karl der Kühne wurde zuerst nach der Belagerung von Grandson in der Schlacht bei Grandson (2.3.1476) in die Flucht geschlagen und verlor seine gesamte kostbare Habe. Auch die Revanche durch die Belagerung von Murten misslang ihm; sein Söldnerheer wurde in der Schlacht bei Murten (22.6.1476) aufgerieben. Den dritten Versuch bezahlte Karl der Kühne mit dem Leben; Unbekannte erschlugen ihn nach der Schlacht bei Nancy (5.1.1477), in welcher die Eidgenossen dem verbündeten Herzog von Lothringen zu Hilfe geeilt waren.

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz, HLS - www.hls-dhs-dss.ch / Aufbereitet von schweizinfo.ch /  Bild: Karl der Kühne, Herzog von Burgund (Gemälde von Rogier van der Weyden, um 1460) im alter von etwa 30 Jahren - Quelle: wikipedia

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