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Reisläufer

Wenn man von einem Söldnervolk par excellence sprechen kann, so sind das zumindest in Europa die Schweizer. Wahrscheinlich gibt es aber weltweit kein Volk, das mit einer solchen Ausdauer und Anzahl in fremden Kriegen gekämpft hat.

Vom späten 15. bis ins frühe 19. Jahrhundert wurde in Europa kaum eine grosse Schlacht geschlagen, ohne dass ein Kontingent Schweizer beteiligt war – manchmal sogar auf beiden Seiten.

Der Erfolg der Schweizer beruhte vor allem darauf, dass durch sie das Fussvolk wieder zur entscheidenden Waffe wurde.

Die Reisläufer standen anfänglich im Dienst des Kaisers und der italienischen Städte, z.B. von Mailand um 1372-73. Die Reisläuferei entwickelte sich relativ unkontrolliert. Ab 1474 erhob Niklaus von Flüe wiederholt seine Stimme gegen das Reislaufen und den Einfluss ausländischer Gelder.

Ab 1477 war es Privaten verboten, sich auf eigene Rechnung in fremde Dienste zu begeben.

Doch die Mandate und angedrohten Strafen vermochten die Auswanderung von Reisläufern nicht aufzuhalten. Bis 1515, dem Regierungsantritt von König Franz I., florierte das freie Kriegertum und zahlreiche Reisläufer zeichneten sich in den Mailänder Kriegen aus.

Dem Reformator Huldrych Zwingli gelang es 1520 in Zürich, Kriegsdienste für fremde Mächte zu unterbinden. Danach versuchten die eidgenössischen Orte, die Anwerbung unter ihre Kontrolle zu bringen. Das freie Reislaufen, das für die eidgenössischen und zugewandten Orte ertraglos war, wurde in ein politisches Instrument zum vermeintlich allgemeinen Nutzen, in der Praxis zum Nutzen der führenden Oberschicht umgewandelt.

Obwohl 1671 für den Solddienst in Frankreich stehende und kapitulierte Regimenter geschaffen wurden, bestanden weiterhin auch ausserhalb der Schweiz rekrutierte Freikompanien, was gegen die Regeln der Kapitulationen verstiess. Reisläufer und Söldner bzw. Soldaten in bewilligten Diensten kamen folglich miteinander in Kontakt.

Nach 1763 versuchte der französische König, die Zahl der Freikompanien in franz. Diensten zu begrenzen, um die Schlagkraft der durch Kapitulationen verpflichteten Regimenter zu stärken.

Ganze Regimenter von Reisläufern wurden bis ins 18. Jahrhundert in der Zentralschweiz für Spanien und in den reformierten Gebieten für England ausgehoben. Die Privatkapitulation, die Oberst Karl Ignaz von Nideröst mit dem Kriegsminister im November 1724 in Madrid abschloss, diente als Vorlage für die Privatkapitulationen von 1734.

Sie barg aber wegen des fehlenden obrigkeitlichen Einsichtsrechts verschiedene Nachteile. Die einzelnen eidgenössischen Orte konnten z.B. Schweizer Reisläufern keine Sicherheiten gewähren und nicht verhindern, dass diese zu Zwecken eingesetzt wurden, die den eidgenössischen Interessen zuwiderliefen. Im September 1793 beabsichtigte Spanien, acht zusätzliche, aus Freikompanien bestehende Regimenter anzuwerben. Dies hätte die Hauptleute zu Freischarenführern, sogenannte condottieri, degradiert und die fremden Dienste auf den Stand des 15. und 16. Jh. zurückgeworfen.

Vereinzelt fand sich diese Art von Dienst in Frankreich wieder, so im Fall des Marineinfanterieregiments von Franz Adam Karrer, das 1719 durch eine Privatkapitulation geschaffen, 1752 von Franz Josef von Hallwyl übernommen und 1763 aufgelöst wurde.

Es kam in Übersee, vor Allem auf den Antillen, zum Einsatz. In diesem Regiment diente auch der Neuenburger Charles-Daniel de Meuron, der 1781 der Niederländischen Ostindien-Kompanie ein eigenes Regiment stellte.

Die Grenzen zwischen Reislaufen und obrigkeitlich bewilligtem Solddienst waren gelegentlich fliessend. Privatkapitulationen wurden im Nachhinein genehmigt; so anerkannte z.B. Bern 1700 seine Reisläufer in holländischen Diensten als rechtmässige Söldner (Reisläufer). Das 1701-96 in holländischen Diensten stehende Zürcher Regiment Werdmüller bzw. Hirzel beruhte auf keiner Kapitulation, wurde aber in den 1720er Jahren von der Obrigkeit gebilligt.

Ebenso bewilligte Bern 1761 die Söldnerwerbung für die Schweizergarden, die 1748 für den Dienst in Holland geschaffen worden waren. Das 1730 für den sardinisch-piemontischen Dienst ausgehobene Berner Regiment wurde 1737 durch eine offizielle Kapitulation legalisiert und bestand bis zum Franzoseneinfall.

Dagegen anerkannte der Graue Bund das in französischen Diensten stehende, 1734 unter dem Namen Travers aufgestellte Regiment Salis-Marschlins nie offiziell.

1848 wurde der Abschluss neuer Militärkapitulationen verboten und 1859 ein Gesetz gegen die Anwerbung von Söldnern erlassen.

Doch weiterhin verpflichteten sich Freiwillige für militärische Reisläufer Einsätze im Ausland, obwohl diese im 20. Jh. immer härter bestraft wurden.

Quellen: Historisches Lexikon der Schweiz, HLS, www.hls.ch und www.kriegsreisende.de / Aufbereitet von schweizinfo.ch / Bildquelle: Eidgenössische Reisläufer beim Zug über die Alpen (Diebold Schilling der Jüngere) Wikipedia.

 

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