Abstimmungen  

 

   

Kooperationen  

Webliste Schweiz
   
   

Newsletter  

   

Die Schlacht bei Sempach war die entscheidende militärische Auseinandersetzung zwischen der Herrschaft Österreich und der Eidgenossenschaft im Streit um den Ausbau der jeweiligen Territorialherrschaft im Raum zwischen den habsburgischen Vorlanden und den Alpen.

Der Sieg der Eidgenossen in der Schlacht bei Sempach am 9.7.1386 schwächte Habsburg-Österreich so sehr, dass es seine Herrschaftspositionen in den Gebieten südlich des Hochrheins langfristig nicht halten konnte. Nach der Übernahme Tirols 1363 und der habsburgischen Güterteilung von 1379 bemühte sich Herzog Leopold III. von Habsburg, im Raum zwischen dem Tirol und den habsburgischen Vorlanden durch eine intensive Erwerbspolitik eine durchgehende Verbindung herzustellen; dazu gehörten die Pfandschaft über Nidau, Büren und Altreu als Verbindung zu Freiburg i.Ü. und der Griff nach den Hauensteinpässen, die den Anschluss ans Elsass gewährleisteten.

Dieses Vorgehen kollidierte jedoch mit den territorialen Interessen der eidgenössischen Städte in diesem Raum, hauptsächlich Berns, das sich bereits im Burgdorferkrieg 1383-84 durchsetzen konnte, und Luzerns sowie Basels und Solothurns. Die städtische Territorialpolitik bestand bis dahin vorwiegend im Erwerb durch Kauf, Pfandschaften oder Lehen und vermehrt durch Burgrechtsverleihungen und die - durch die Reichsgesetzgebung eigentlich verbotene - Aufnahme von Ausburgern.

Dies führte zu einer Aushöhlung der Adelsherrschaften, was den Interessenkonflikt auf eine Auseinandersetzung zwischen Adel und Städten zuspitzte. Es bildeten sich verschiedene Städtebünde mit ausgeprägt antihabsburgischer Ausrichtung; am weitesten reichte der Konstanzer Bund von 1385, in dem sich Zürich, Zug, Solothurn, Bern und indirekt Luzern mit 51 anderen Städten aus dem süddeutschen Raum verbündeten.

Für Herzog Leopold III. wirkte sich erschwerend aus, dass er nicht auf die Unterstützung des Königs zählen konnte. Daher war Leopold zunächst nicht an einem offenen Konflikt interessiert und versuchte, zu einem friedllichen Ausgleich zu kommen. Die eidgenössischen Städte dagegen dehnten ihren Einflussbereich mehr und mehr aus und gerieten damit in Konflikt mit den lokalen österreichischen Amtsträgern und Pfandherren.

Insbesondere das "de jure" immer noch österreichische Luzern emanzipierte sich zunehmend von der Herrschaft und betrieb in seinem Umland eine aggressive Ausburgerpolitik. Ende 1385 erfolgten ohne formelle Kriegserklärung erste, nicht obrigkeitlich organisierte Scharmützel. Übergriffe von Zürchern, Zugern und Luzernern gegen die österreichischen Stützpunkte Rapperswil, St. Andreas bei Cham, Rothenburg und Wolhusen; zahlreiche Burgen des Österreich verpflichteten Adels wurden zerstört.

Im Jan. 1386 nahm Luzern zuerst das Entlebuch und die Kleinstadt Sempach in sein Burgrecht auf, danach die Städtchen Meienberg, Richensee und Willisau. Die österreichischen Amtleute reagierten darauf mit Gewalt; ihr Landesaufgebot brachte einer eidgenössischen Besatzung bei Meienberg eine Niederlage bei.

Am 14. Januar mahnte Luzern Zürich und die Waldstätte zur Hilfeleistung. Ein Waffenstillstand beendete diese Aktionen am 21.2.1386.

Hauptsächlich im Mai und Juni wurden in Zürich Friedensverhandlungen geführt unter Vermittlung der schwäbischen Städte, die sich aus vorwiegend wirtschaftlichen Überlegungen aus dem Krieg heraushielten, doch wurde der Waffenstillstand nicht verlängert. Der Kriegswille der eidgenössischen Verbündeten, gestützt auf ein neues Gemeinschaftsbewusstsein, liess aus dem anfänglichen Fehdekrieg eine offene militärische Auseinandersetzung entstehen: Der Konflikt war zur entscheidenden ständigen Auseinandersetzung zwischen den eidgenössischen Stadt- und Talgemeinden einerseits und dem süddeutschen Adel andererseits geworden.

Herzog Leopold III. nahm die Herausforderung an und bereitete einen Gegenschlag vor. Er sammelte seine Truppen, bestehend aus Angehörigen der Rittergesellschaften aus Schwaben, dem Elsass, dem Aargau, dem Thurgau und Tirol, italienischen, französischen und deutschen Söldnern sowie städtischen Oberschichtsvertretern aus dem oberdeutschen Raum, bei Brugg.

Dies liess auf einen Angriff gegen Zürich schliessen; der eidgenössische Auszug galt deshalb dem Schutz dieser Stadt. Das österreichische Ritterheer zog dann jedoch Ende Juni, wohl in der Absicht eines gegen Luzern und dessen Landschaft gerichteten Schädigungskriegs, über Zofingen und Willisau, das gebrandschatzt wurde, sowie Sursee in Richtung Sempach.

Am 9.7.1386 traf es oberhalb von Sempach unverhofft auf die von Zürich abgezogenen Truppen der Orte Luzern, Uri, Schwyz und Unterwalden - Bern hatte der Mahnung keine Folge geleistet - und es kam zur offenen Feldschlacht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es den zahlenmässig unterlegenen und in unvorteilhafter Stellung überraschten Eidgenossen unter dem Oberbefehl Petermanns von Gundoldingen, das habsburgisch- österreichische Heer vernichtend zu schlagen.

Der genaue Ablauf der Schlacht ist unklar; die Winkelriedstat ist erst später als Erklärungsmotiv für die Wende in die Überlieferung eingeflossen. Mit Herzog Leopold III. fiel eine grosse Zahl regionaler Adliger, so jeweils mehrere Mitglieder der Familien von Aarberg, Baldegg, Bechburg, Büttikon, Eptingen, Falkenstein, Hallwil, Reinach und Rotberg. Die habsburgischen Niederlage erregte weit herum Aufsehen. In der österreichischen Geschichtsschreibung galt sie als Untat rebellischen Untertanen gegen ihren rechtmässigen Herrn; nach eidgenössischer Ansicht wurde der Sieg dank der Hilfe Gottes errungen.

Für das Haus Österreich waren die Folgen der Niederlage gravierend: Sie führte zu einem Machtzusammenbruch in den österreichischen Vorlanden und leitete das Ausscheiden aus den nachmals eidgenössischen Gebieten ein. Die mit Österreich verbündete Ritterschaft und städtische Oberschicht hatte einen enormen Aderlass erlitten. Für die eidgenössischen Städteorte Luzern und Bern sowie für Solothurn eröffneten sich jetzt dagegen Möglichkeiten für eine ungehinderte Expansion in die schutzlosen österreichischen Herrschaften.

Bern, das bisher nicht am Krieg teilgenommen hatte, griff in verschiedenen Beutezügen in den Jura (Val-de-Ruz), ins Oberland, ins Emmental, an die Aare und in den Aargau aus. Luzern konnte die eroberten Territorien behalten und diese ab 1389 zu einer dauerhaften Herrschaft ausbauen.

Glarus befreite sich dank des Siegs in der Schlacht bei Näfels am 9.4.1388 von der österreichischen Herrschaft. Am 12.10.1386 vereinbarten Luzern, Zug und Zürich sowie die drei Waldstätte mit den Herzog von Österreich einen Waffenstillstand, dem am 14.1.1387 ein einjähriger Friede folgte; diesem schlossen sich Bern und Solothurn an. Kriegerische Aktionen erfolgten noch bis zum Siebenjährigen Frieden vom 1.4.1389; schliesslich einigten sich die Kriegsparteien am 16.7.1394 auf einen Friedensvertrag für 20 Jahre.

In der luzernischen und eidgenössischen Gedächniskultur, Historio- und Ikonografie nimmt die Schlacht bei Sempach bis in die Gegenwart eine wichtige Stellung ein. Die Schlachtkapelle St. Jakob wurde bereits 1387 geweiht, das Schlachtjahrzeit wird als Gedenkfeier noch zu Beginn des 21. Jahrhundert begangen.

Während die zeitgenössischen Quellen über die Schlacht spärlich sind, werden die Ereignisse in der späteren Chronistik (Luzerner Schilling, Aegidius Tschudi) breit dargestellt. Vor allem in der Geistigen Landesverteidigung des 20. Jh. wurde Sempach für polititische Zwecke instrumentalisiert.

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz, HLS / Aufbereitet von schweizinfo.ch / Bildquelle: Wikipedia, Die Schlacht auf dem Fresko in der Schlachtkapelle von Sempach (16. oder 17. Jahrhundert)

 

Melden Sie sich an um einen Kommentar zu schreiben.

   
weatherBoxx - der Wetterdatenserver
   

Ge|zwit|scher  

   

1914 - 1918

Das Ende

Das Ende

In mehreren Sprachen, nicht aber im Deutschen, wird der Erste Weltkrieg wegen des Ausmasses seiner...

weiterlesen...

Soziales

Soziales

Die Schweizer Behörden waren auf den Krieg weder wirtschafts- noch sozialpolitisch zureichend...

weiterlesen...

Wirtschaft

Wirtschaft

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges brachte blühende Erwerbszweige wie den Tourismus und den H...

weiterlesen...

Innenpolitik

Innenpolitik

Die schweizer Geschichtsschreibung hat den "Graben", der im Ersten Weltkrieg zwischen Deu...

weiterlesen...

Lage

Lage

Der Aktivdienst stellte an die Soldaten und die Bevölkerung grosse Anforderungen. Durchschnitt...

weiterlesen...

Gefährdung

Gefährdung

Als der deutsche Generalstab in den Jahren vor 1914 den so genannten Schlieffen-bzw. Moltkeplan aus...

weiterlesen...

Aktivdienst

Aktivdienst

Nach der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28.7.1914 und der Generalmobilm...

weiterlesen...

   

Wissenswert

Winter 2015/2016

Winter 2015/2016

Wie wird der Winter 2016/2017. Ein Rückblick in das Jahr 2015/2016 zeigt fast durchwegs einen...

weiterlesen...

Mediation 1803

Mediation 1803

Der Begriff Mediation bezeichnet die Periode, während der die von der Consulta und Napole...

weiterlesen...

Revolution 1798

Revolution 1798

Die Helvetik zählt zu den dramatischsten Phasen der Schweizer Geschichte, die das Land vor ein...

weiterlesen...

Kinderschutz

Kinderschutz

Die Unternehmen würden ihr Werbeversprechen einhalten: 99 Prozent der Fernseh-Werbespots h&aum...

weiterlesen...

Grandson 1476

Grandson 1476

Die Schlacht bei Grandson zählt zu den drei grossen Schlachten der Burgunderkriege. Nachdem di...

weiterlesen...

Bundeshaus

Bundeshaus

Als am 12. September 1848 die Bundesverfassung in Kraft trat, war die Frage nach dem Standort der R...

weiterlesen...

Bauernkrieg 1653

Bauernkrieg 1653

Im schweizerischen Bauernkrieg von 1653 kommen durch die Strafgerichte der Obrigkeit – durch...

weiterlesen...

   

Statistik

Kriminal Statistik

Kriminal Statistik

Mit dem Jahresbericht der polizeilichen Kriminalstatistik werden seit 2009 die Ergebnisse einer Sta...

weiterlesen...

Produktivität

Produktivität

Ein Produktivitätsmass ist in der ökonomischen Statistik ein Quotient, der einen wirtscha...

weiterlesen...

Detailhandelsumsätze

Detailhandelsumsätze

Die realen, um Verkaufs- und Feiertagseffekte bereinigten Detailhandelsumsätze sind im Dezembe...

weiterlesen...

Erreichbarkeit

Erreichbarkeit

Die durchschnittliche Erreichbarkeit von Dienstleistungen in ländlichen Gebieten ist erwartung...

weiterlesen...

Haushaltsbudgeterhebung

Haushaltsbudgeterhebung

Im Jahr 2013 betrug das durchschnittliche verfügbare Einkommen der Privathaushalte der Schweiz...

weiterlesen...

Arbeit + Erwerb

Arbeit + Erwerb

Der Industriesektor, der in den 1960er-Jahren noch fast die Hälfte der Erwerbstätigen bes...

weiterlesen...

Kriminalität

Kriminalität

Mit dem Jahresbericht der polizeilichen ­Kriminalstatistik werden seit 2009 die Ergebnisse eine...

weiterlesen...

   

Aktuell

Brot

Brot

Mehr Swissness im Brot. Ein Forschungsprojekt prüft neue Wege, um Menge und Qualität...

weiterlesen...

COSMO-NExt

COSMO-NExt

MeteoSchweiz hat 2012 das Projekt COSMO-NExT gestartet, um das System für numerische Wettervor...

weiterlesen...

Klima-Bulletin

Klima-Bulletin

Der Juli lag im landesweiten Mittel 0.9 Grad über der Norm 1981–2010. Die Sonnenscheinda...

weiterlesen...

Hitzesommer 2015

Hitzesommer 2015

Der Schweizer Sommer 2015 geht als Zweitwärmster in die 152-jährige Mess-Geschichte ein....

weiterlesen...

Barrierefrei

Barrierefrei

Barrierefreie Websites sind leider nach wie vor immer noch keine Selbstverständlichkeit und di...

weiterlesen...

Tierversuche

Tierversuche

2015 wurden in der Schweiz 682 000 Tiere für Tierversuche eingesetzt. Das entspricht einem Ans...

weiterlesen...

Abfallentsorgung

Abfallentsorgung

Wohin gehören blaue Glasflaschen? Kommen Couverts mit Fenster in den Hauskehricht oder in die...

weiterlesen...

   

Erfindungen

Maggi Würze

Maggi Würze

Am 9. Oktober 1846 kommt der MAGGI Gründer Michael Johannes Julius Maggi im schweizerischen Fr...

weiterlesen...

Velo-Kette

Velo-Kette

1873, gerade 21 Jahre alt, kam Hans Renold, Sohn einer bürgerlichen Familie aus dem schweizeri...

weiterlesen...

Blaues Kreuz

Blaues Kreuz

Das Blaue Kreuz ist die älteste Suchthilfeorganisation der Schweiz. 

weiterlesen...

Daniel Peter

Daniel Peter

Daniel Peter, geboren am 9. März 1836 in Moudon, gestorben am 4. November 1919 in Vevey war ei...

weiterlesen...

DNA

DNA

Johannes Friedrich Miescher wurde 1844 in Basel als Sohn einer renommierten Wissenschaftlerfamilie...

weiterlesen...

Divisionszeichen

Divisionszeichen

Johann (Hans) Heinrich Rahn. Geboren am 10.3.1622 in Töss, gestorben am 27.5.1676 Zürich....

weiterlesen...

Kindermehl

Kindermehl

Henri Nestlé gründete 1833 eine der führenden Schweizer Firmen in Vevey. Nestl&eac...

weiterlesen...

   

Sagen

Teufelsbrücke

Teufelsbrücke

Wer heute nach dem sonnigen Süden reisen will, nach Italien, "wo still die Myrte und hoch...

weiterlesen...

Maria Stein

Maria Stein

Einst stand im Kanton Basel, hoch über dem Dorfe Ettlingen, eine feste Burg, der "Fü...

weiterlesen...

Winkelried

Winkelried

Der mutige Arnold von Winkelried opferte sich heldenhaft und ebnete den Schweizer Soldaten den Weg...

weiterlesen...

Dorfleute

Dorfleute

  Die Filisurer im Graubündnerland konnten es nicht begreifen, dass der Herrgott gerade i...

weiterlesen...

Schlangenbanner

Schlangenbanner

Eine der schönsten Alpen im graubündnerischen Prätigau ist die Saaseralp auf der Son...

weiterlesen...

Krüglein

Krüglein

Auf den Trümmern der grossen Römerstadt Vindonissa [Windisch] im Aargau, nahe beim heutig...

weiterlesen...

Kuhschelle

Kuhschelle

Im Berner Simmental, wo die saubersten und hübschesten Holzhäuschen der Welt stehen, lebt...

weiterlesen...

   
© 2014-2017 schweizinfo